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Blütensekt – Trinken Sie den Sommer
Prost auf den Sommer
Der Geschmack von heißen, langen Tagen steckt im Holunderblüten-Sekt
Sobald Ende Juli das große Azorenhoch in Stellung geht, haben prickelnde
Sommergetränke Hochkonjunktur. Denn für lauschige Abende ist Rotwein
zu schwer und Wasser zu langweilig.
Möglichkeiten, den Sommer durch die Kehle rinnen zu lassen, gibt es viele.
Selber zu saften, ist eine, der Gang in die Lohnmosterei eine andere. Auch
Frucht mit Schuss ist eine Sünde wert, denn Apfelwein schmeckt nicht nur
Volksmusikfreunden. Bowle hat sich längst vom Spießer-Image befreit.
Besonders experimentierfreudige Menschen verwandeln ganz gewöhnliche Pflanzen
zu ganz außergewöhnlichen Leckereien.
Zu diesen Menschen gehört Anja Quäschning. Nach dem ersten Schluck
lächelt sie zufrieden: „So einmalig schmeckt nur Holunderblütensekt.“ Der
Schaumwein ist ihre große Leidenschaft. Der Aufwand dafür ist allerdings
immens. Für eine einzige Flasche zupft sie einen halben Kubikmeter Holunderblüten.
Dann weicht sie die Dolden einige Monate in kristallklarem Quellwasser aus
dem Taunus ein und vergärt den Auszug mit Biozucker und Champagner-Hefe
zu einem trocken ausgebauten Blütenschaumwein. So entsteht ganz ohne Trauben
ein frischer Aperitif mit 12 Prozent Alkohol, der intensiv duftet und aromatisch
schmeckt.
Während andere Sektproduzenten ihre Rohstoffe im Weinberg ernten, streift
die promovierte Biologin aus dem Rheingau durch die Landschaftsschutzgebiete
an Rhein und Main. Hier pflückt sie die Blüten von Kastanien, Magnolien,
Lavendel, Rosen, wilden Wicken oder Holunder. In einer Saison erntet Anja Quäschning
mehr als eine Tonne Blüten. Passanten, die irritiert beobachten, wie sie
in Bäumen herumklettert, Sträucher inspiziert und körbeweise
Blüten pflückt, lässt sie einfach gucken. Die offizielle Genehmigung
zum Ernten bekam sie sowohl von Behörden als auch von Biobauern.
Seit fünf Jahren zapft die Saft-Gärtnerin die Natur professionell
an. Damals gründete sie ihre „Deutsche Blütensekt Manufaktur“ und
quittierte den Dienst in der Marketingabteilung eines Arzneimittelherstellers.
Die Manufaktur hat mittlerweile fünf Mitarbeiter plus Saisonkräfte.
Dabei wollte Anja Quäschning anfangs nur mal den Geschmack der Kindheit
einfangen. „Bei meiner Großmutter gab es im Sommer Holunderblütenschorle,
einfach herrlich“, sagt sie. Irgendwann starb die Oma, die Kindheitserinnerung
war weg. „Ich wollte diesen fruchtigen Geschmack unbedingt wiederfinden“,
erzählt die Biologin. Sie experimentierte viele Sommer lang, bis sie endlich
zufrieden war. Beim Holunder blieb es aber nicht. „Es blüht so viel
in der Natur, da wäre eine Sorte allein langweilig gewesen“, sagt
Anja Quäschning. Mittlerweile bietet sie 50 verschiedene Sirups an – von
Akazie bis Wildrhabarber.
Deutsche Blütensekt Manufaktur
Dr. Anja Quäschning, Lilienweg 48,
65201 Wiesbaden Tel: 0611/2385800
2005er Holunderblütenschaumwein für 89 Euro, Blütensirups ab
7,90 Euro
Quelle: Liebes Land, Nr. 8, August 2009, Seite 8
Veröffentlicht auf
www.bluetensekt.de