Deutsche Blütensekt Manufaktur
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Foto: Müller
 
Sie hatte die "intelligent. Geschäftsidee"
Anja Quäschning (links) landete auf Platz eins,
ihre Wiesbadener Kollegen Dagmar Wicka und
Robert Mayer belegten dritte Plätze.
WIESBADEN Unternehmensgründungen,
ihre Finanzierungsmöglichkeiten,
ihre Risiken und Chancen standen im Mittelpunkt
einer Fachtagung der Hessischen Gründungs-
förderer, die darüber hinaus neun Gründer mit
dem "Gründerpreis" auszeichneten.

Wiesbadener Kurier vom 09.11.2005
Von Christina Oxfort

Gläserner Pokal für Mut und Intelligenz
Gründungsförderer ehrten Wiesbadener Unternehmer mit eigenem Preis / "Stressiger Wettbewerb"
 
Der erste Platz und der gläserne Pokal versöhnen die Biologin Anja Quäschning ein wenig. Und sie hofft, dass ihr der Hessische Gründerpreis, der im Rahmen der Fachtagung der Hessischen Gründungsförderer verliehen wurde, tatsächlich Publicity einbringt - und sich positiv auf den Umsatz ihres Unternehmens, die Deutsche Blütensekt Manufaktur, auswirken wird. "Super anstrengend" sei der Wettbewerb gewesen, zu dessen Teilnahme Quäschning von der Stadt Wiesbaden und der Existenzgründungsagentur "exina" aufgefordert worden war. Dass sie ihr Unternehmen mit einem Messestand im Kurhaus zu präsentieren hatte, habe sie Improvisationsgeschick und nicht zuletzt Geld gekostet: Die Auslagen, bedauert die Preisträgerin in der Kategorie "Intelligente Geschäftsidee", die erlesene Delikatessen aus frischen, in der Umgebung gesammelten Blüten zubereitet, müsse sie alleine tragen.
Das gilt auch für Dagmar Wicka und Robert Mayer, die in den Kategorien "Mutigste Gründung" und "Geschaffene Arbeitsplätze" jeweils den dritten Platz belegten. Das Second-Hand-Geschäft "My Baby" von Dagmar Wicka in der Dotzheimer Straße musste zu Wochenbeginn geschlossen bleiben: Die 47-jährige Verkäuferin, die sagt, dass ihr Alter Grund für eine Vielzahl erfolgloser Bewerbungen ist, hat nur manchmal eine Aushilfe in ihrem 100 Quadratmeter großen Laden, in dem sie "top gepflegte" Kleidung und Spielzeuge für Babys und Kinder bis sieben Jahren verkauft. Sie sei "eine klassische Ich-AG" beschreibt die zweifache Mutter und dreifache Großmutter ihre Arbeit, die seit inzwischen einem Jahr "wirklich gut läuft". Damit hätten sich auch die Investitionen in Höhe von 20 000 Euro gelohnt, die sie mit ihrem Mann mühsam habe aufbringen können.
Dank seiner vier fest angestellten Mitarbeiter muss Robert Mayer sein 3D-Grafik-Unternehmen während der Tagung der Hessischen Gründungsförderer, in dessen Verlauf die Präsentationen der Wettbewerbsteilnehmer bewertet wurden, nicht dichtmachen. Vor zwei Jahren hat sich der Industriekaufmann selbstständig gemacht. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt und vertreibt er 3D-Software, sorgt für die interaktiven Wetterflüge des HR-Fernsehens und zählt darüber hinaus Grafikstudios und Architekten zu seinen Kunden. Auch er erhofft sich von dem Gründerpreis, um den sich hessenweit fast 110 Unternehmen beworben hatten, einen Werbeeffekt, und auch er hätte gegen eine kleine Aufwandsentschädigung nichts einzuwenden gehabt . . .
Mut und Durchhaltevermögen wurde den Preisträgern - unter ihnen auch Kathleen Thieme (Schlangenbad), die eine Tier-Rehabilitation betreibt - bei der Preisverleihung am Abend attestiert. Gleichzeitig bedauerte Gerd Eckelmann, Präsident der Industrie- und Handelskammer Wiesbaden, dass Existenzgründungen derzeit mehr aus der Not denn aus unternehmerischem Antrieb geboren würden: Den bundesweiten Erfahrungen der IHK zufolge gaben 2004 mehr als 70 Prozent aller Gründungs-Interessierten ihre Arbeitslosigkeit als Motiv für den Schritt in die Selbstständigkeit an.